Der Holzrahmen verleiht dem natürlichen Fahrgefühl auf einem Elektrofahrrad eine ganz neue Bedeutung.

Nein, wer nicht gern im Mittelpunkt steht, sollte kein Esel E-Bike fahren. Oder glauben Sie wirklich, dass Sie mit einem Fahrrad mit Holzrahmen unbemerkt durch den Alltag kommen? Dem österreichischen Hersteller geht es jedoch nicht darum, maximale Aufmerksamkeit für seine E-Bikes oder seine Kunden zu generieren. Er verwendet dieses Material, weil er es für eine hervorragende Wahl für Fahrräder hält. Das gilt auch für sein neues City-E-Bike – das Esel eUrban.

Warum Aluminium, wenn es auch Holz sein könnte?

Die moderne Fahrradwelt kennt zahlreiche Materialien, die zur Herstellung von Rahmen für E-Bikes und Fahrräder verwendet werden können, sogar im industriellen Maßstab. Aluminium, Carbonfaser, Stahl und Titan sind Ihnen wahrscheinlich bestens bekannt. Andere Materialien, wie das Polyamid des Moques-Rahmens oder die Kunststoffgranulate des Advanced Reco One, die zu 40 % aus recycelter Carbonfaser bestehen, sind etwas ungewöhnlicher.

Auch Holz gilt als ungewöhnlich, obwohl es in der Branche keineswegs neu ist. Vor knapp fünf Jahren berichteten wir über Twmpa Cycles und deren E-Gravelbike. Seitdem sind E-Bikes aus dem Sortiment des walisischen Unternehmens verschwunden. Esche wird jedoch weiterhin als Rahmenmaterial verwendet. Dieses Holz scheint besonders beliebt zu sein. Schließlich verarbeitet auch die toskanische Marke Ornus es. Auch sie produziert unter anderem Gravelbikes – allerdings ohne Elektroantrieb.

Ein umweltfreundlicher und komfortabler Holzrahmen

Esel-Rahmen enthalten auch Esche. Anders als bei den vorherigen Beispielen setzen die Hersteller jedoch auf eine Mischung verschiedener Hölzer. Die Esche bildet zusammen mit Walnussholz die Außenschicht. Im Inneren verwendet das Team um Firmengründer Christoph Fraundorfer leichteres Birkenholz. Neben den Eigenschaften der Bäume ist ihm wichtig, dass sie aus der Region stammen und dort unter kontrollierten Bedingungen langsam wachsen. Esel kann dies durch die PEFC-Zertifizierung (Programme for the Endorsement of Forest Certification) nachweisen. Diese Zertifizierung bescheinigt, dass das Holz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kaum ein anderes Rahmenmaterial von sich behaupten kann, natürlich, erneuerbar und leicht verfügbar zu sein. Doch was macht Holz so grundsätzlich attraktiv für den Rahmenbau? Es vereint Eigenschaften, die bei anderen Materialien erst durch aufwendige Herstellungsverfahren erzeugt werden müssen. Holz absorbiert Stöße, dämpft Vibrationen und ist im Verhältnis zu seinem Gewicht sehr formstabil. Je nach Baumart gilt dies in unterschiedlichem Maße. Deshalb kombiniert Esel, wie bereits erwähnt, drei verschiedene Holzarten.

Esel eUrban Hohlraum innen

Der Hersteller verfolgt in dieser Hinsicht einen ebenso innovativen Ansatz. Um ein möglichst geringes Rahmengewicht zu erreichen, sind die Holzrahmen von Esel hohl. Sie bestehen aus zwei Halbschalen aus Holzverbundwerkstoff. Die Verbindungsmethode ist ein Betriebsgeheimnis. Der Hersteller verrät jedoch, dass er Formteile, Dübel und ein spezielles, dauerelastisches Klebstoffsystem verwendet.

So entstehen einzigartige Rahmen mit jeweils eigener Maserung. Nicht nur Kabel und Leitungen sind intern verlegt, auch der Akku ist im Unterrohr integriert. Esel treibt diese Vorliebe für Holz jedoch nicht auf die Spitze. Die Carbongabel und das Aluminium-Steuerrohr sind zwei Komponenten aus anderen Materialien. Grund dafür sind die auf Gabel und Lenker wirkenden Kräfte. Diese Kräfte müssen so effizient wie möglich auf den Holzrahmen übertragen werden. Gleichzeitig ist es dem Hersteller wichtig, den Rahmen schlank und robust zu halten. Mehrere Rahmentests haben gezeigt, dass die Kombination aus Holz, Aluminium und Carbonfaser die besten Ergebnisse in Bezug auf strukturelle Festigkeit und Robustheit liefert. Theoretisch wäre es sicherlich möglich, nicht nur Gabel und Steuerrohr, sondern auch Lenker und Felgen aus Holz herzustellen. Die aktuelle Lösung bietet jedoch den größten technischen Mehrwert.

Effektiver Allwetterschutz für das City-Elektrofahrrad

Sobald die Rede von einem Holzrahmen ist, fragen sich manche vielleicht, ob dieser anfällig für Schäden durch Regen, Schnee, intensive Sonneneinstrahlung, schnelle Temperaturschwankungen oder sogar Streusalz im Winter ist.

Schließlich wissen wir aus Erfahrung, wie schnell und stark Holz unter bestimmten Bedingungen verrotten kann. Aber keine Sorge, das Esel eUrban ist ein Allwetter-E-Bike. Der Hersteller versiegelt die Rahmen mit einer Schutzschicht, die vier Schutzschichten bietet:

Holzschutzmittel: Wirkstoff gegen Bläue und holzzerstörende Pilze
Stirnholzversiegelung: Schutz vor kapillarer Wasseraufnahme
Grundierung für Nasshaftung und UV-Beständigkeit
Decklack: Witterungs- und UV-Schutz, resistent gegen Kratzer, Beschädigungen und Chemikalien. Wie es sich für ein urbanes E-Bike gehört, verfügt der Rahmen des Esel eUrban außerdem über Befestigungspunkte für Schutzbleche und einen Gepäckträger. Kunden können beim Bestellen verschiedene Zubehörteile hinzufügen. Es stehen verschiedene Pakete zur Verfügung. Alle zusätzlich bestellten Artikel werden im Werk des Unternehmens in Traun, Oberösterreich, installiert. Dazu gehört auch ein GPS-Tracker, den Esel stets optional anbietet.

Hinterradnabenantrieb beim Esel eUrban

Esel geht beim Rahmen keine eigenen Wege. Auch das E-Bike-System des eUrban mit Hinterradnabenmotor ist eine Eigenentwicklung. Das ist für einen kleinen Hersteller eher ungewöhnlich. Schließlich bieten viele namhafte Anbieter wie Mahle, FSA, Bafang und andere bewährte Systeme in verschiedenen Leistungsstufen an. Esel setzt jedoch lieber auf die eigene Lösung, um flexibel auf die Anforderungen der eigenen E-Bikes eingehen zu können. Aspekte wie Motorleistung, Wicklung, Controller und Drehmomentregelung sowie Akkugröße bieten dem Unternehmen mit dem eigenen System deutlich mehr Flexibilität. Jede zugekaufte Option würde einen Kompromiss und eine Abweichung vom Ideal bedeuten.

Esel hält einen Hinterradnabenantrieb mit 42 Newtonmetern Drehmoment für ideal für das eUrban. Dieses Drehmoment wirkt direkt auf das Hinterrad und ist kein theoretisch berechneter Wert. In Kombination mit der moderaten Akkukapazität – erhältlich mit 250 oder 350 Wattstunden – ergänzt dies perfekt die leichte Bauweise und die Wendigkeit des E-Bikes bei Geschwindigkeiten über 25 km/h. Dem Hersteller war es wichtig, den Übergang über diese Schwelle hinaus so sanft wie möglich zu gestalten, damit Sie diese mühelos überschreiten und schneller fahren können.

Leichter Akku für ein sportliches Fahrerlebnis

Esel hat einen Drehmomentsensor in das Tretlager des Systems integriert. Dadurch kann der Elektroantrieb Ihre Pedalbewegung erfassen und entsprechend reagieren. Konkret bedeutet das: Je stärker Sie in die Pedale treten, desto stärker ist die Motorunterstützung. Diese lässt sich in fünf Unterstützungsstufen einstellen. Sie können bequem per Knopfdruck auf einem am Lenker montierten Display zwischen den Stufen wechseln. Der Motor bezieht seine Energie aus dem im Unterrohr versteckten Akku. Dessen Kapazität von 350 Wattstunden ist vergleichbar mit der des Mahle iX350 für den X20 Drive. Er soll in vier Stunden vollständig aufgeladen sein. Alternativ ist offenbar ein kleinerer 250-Wattstunden-Akku erhältlich. Dieser ist bereits vom Esel eGravel bekannt. Allerdings kann er aktuell bei der Bestellung des eUrban auf der Esel-Website nicht ausgewählt werden.

Trotz des starken Fokus auf Unabhängigkeit arbeitet das Unternehmen selbstverständlich mit Partnern zusammen. Für die Motorenproduktion kooperiert Esel beispielsweise mit Aikema. Das chinesische Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von Nabenmotoren. Aikema fertigt die Systeme nach Esels Vorgaben. Die Akkuzellen hingegen stammen von Panasonic.

Die leichteren Motoren und Akkus sind Merkmale, die das sportlichere eUrban von seinem Vorgänger, dem E-Tour, unterscheiden. Letzterer ist primär für längere Fahrten konzipiert, bietet die nötige Geometrie für eine aufrechtere Sitzposition und wiegt in der Topausstattung rund 21,5 Kilogramm.

Holz – mehr oder weniger Kohlenstoff

Das sind genau fünf Kilogramm mehr als beim leichtesten eUrban. Laut Esel können Sie bis zu 120 Kilogramm selbst transportieren, ohne das City-E-Bike zu überladen. Mit einem Gepäckträger kommen weitere 27 Kilogramm hinzu. Insgesamt ergibt sich somit ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von 163,5 Kilogramm. Viele leichte City-E-Bikes mit Aluminium- oder Carbonrahmen könnten sich hier eine Scheibe abschneiden. Und falls Sie jemals ein besorgniserregendes Knacken im Rahmen hören – Esel bietet fünf Jahre Garantie gegen Rahmenbruch.

Da wir vom leichtesten Esel eUrban sprechen, gibt es natürlich auch eine etwas schwerere Variante. Der Hersteller bringt zwei verschiedene Modelle auf den Markt: das Esel eUrban Performance und das Esel eUrban Basic. Der Preisunterschied von 1.000 € zwischen den beiden Modellen ergibt sich hauptsächlich aus den jeweiligen Laufrädern, Schaltungen und Sattelstützen. Für 4.990 € ist das Esel eUrban Performance mit Carbonfelgen des österreichischen Herstellers Panchowheels ausgestattet. Es verfügt außerdem über eine Carbon-Sattelstütze. Esel hat dieses Modell mit einer 11-fach Shimano Deore XT-Gruppe versehen.

Das Esel eUrban Basic ist eine Stufe unterhalb der Shimano-Reihe angesiedelt. Hier wird mit der Shimano Deore-Gruppe geschaltet, die nur zehn Ritzel an der Kassette besitzt. Laufräder und Sattelstütze sind aus Aluminium gefertigt und daher günstiger. Bei anderen wichtigen Komponenten wie Bremsen, Reifen und Gabel macht der Hersteller jedoch keine Kompromisse und stattet beide Modelle identisch aus.

Esel eUrban auf einen Blick

Modelle: Esel eUrban Performance, Esel eUrban Basic
Rahmen: Esel Hollow Tec Holzrahmen
Rahmengrößen: S, M, L, XL
Gabel: Carbongabel
Motor: Hinterradnabenmotor, 42 Nm
Akku: 350 Wh, optional 250 Wh
Antrieb: Shimano Deore XT, Shimano Deore
Gewicht: Ab 16,5 kg
Bremsen: Shimano MT410
Zulässiges Gesamtgewicht: Ab 163,5 kg
Preis: Ab 3.990 €

Esel: ein erfahrener Hersteller mit einem klaren Motto

Für Firmengründer Christoph Fraundorfer sind Fahrräder, wie er selbst sagt, mehr als nur ein Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu gelangen. Sie sind Ausdruck von Design, Nachhaltigkeit und einem einzigartigen Fahrerlebnis. Getreu diesem Motto entwickelt und vertreibt Esel seit 2016 Fahrräder und E-Bikes. Das Sortiment umfasst mittlerweile vier E-Bikes mit unterschiedlichen Spezifikationen und teilweise verschiedenen Rahmenformen. Neben dem eigenen Hinterradantrieb kommt der Shimano EP600 Mittelmotor als Antriebssystem zum Einsatz.